Altlasten-Sanierung

auf dem ehemaligen »Braun-Areal«

Durch die Betriebsaufgabe eines Ulmer Traditionsunternehmens konnte die Stadt Ulm im Jahr 2016 innerstädtische Gewerbeflächen erwerben, um diese neu zu erschließen. Ziel war es, dorthin Betriebe aus dem nördlichen Bereich des Sanierungsgebiets »Dichterviertel« zu verlagern.

Vorher mussten jedoch die Altlasten, welche die gewerblichen Nutzungen seit dem 19. Jahrhundert dort verursacht hatten, mit finanzieller Unterstützung durch den Altlastenfonds des Landes
Baden-Württemberg aufwändig saniert werden.

Warum und wie?

Der Altstandort »Blaubeurer Straße 70/1« (Braun-Areal, Objekt-Nr. 00133) in Ulm war Unternehmensstandort des teerverarbeitenden Betriebs der Fa. Gebrüder Braun (1881 – 1983), der vor allem Dachpappe herstellte.

Betriebsbedingt kam es zu erheblichen Verunreinigungen des Untergrunds (Boden und Grundwasser). Die Hauptschadstoffparameter am Standort sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX), untergeordnet auch Mineralölkohlenwasserstoffe.

Die Fläche wurde seit 1994 in mehreren Stufen erkundet. Dabei wurden zahlreiche Rammkernsondierungen, Schürfgruben und Bohrungen durchgeführt. Zur Untersuchung der Grundwassersituation wurden insgesamt 42 Grundwassermessstellen in drei Grundwasserleiter (GWL) eingerichtet.

Altlastensanierung, einfach erklärt.

Zeitleiste 1881 bis 2024 – ein Projektüberblick

Altlastensanierung »Braun-Areal« – Fakten und Ziele

Schadensbild
  • Boden: ca. 30% des Bodenaushubs muss als DK III-Material entsorgt werden (höchste Belastungsstufe)
  • Grundwasser: Prüfwertüberschreitungen bis Faktor 10.000
  • Bodenluft: nur z.T. moderat belastet
  • Atmosphäre: Luftmessungen zeigen, dass nur im direkten Umfeld von Bohrungen und Aushubbereichen erhöhte Werte an BTEX vorliegen
Sanierungsmaßnahmen
  • Kampfmittelvorerkundung mit ca. 2.500 Bohrungen bis 8 m
  • Bodenaushub im Hauptschadensbereich auf einer Fläche von ca. 6.000 m²
  • Im Kernbereich mittels Großlochbohrungen bis ca. 11 m Tiefe
  • Entsorgung von ca. 92.000 t kontaminiertem Bodenmaterial
  • Betrieb einer Wasserreinigungsanlage zur Abstromsicherung
  • Grundwassermonitoring im Anschluss an die Sanierung zur Erfolgskontrolle
Sanierungsziele

Am Ende der Sanierungsarbeiten werden ca. 90% der Giftstoffe in Boden und Grundwasser beseitigt und die abströmende Schadstofffracht im maßgeblichen 2. Grundwasserleiter um
80% reduziert sein.

Zudem kann eine weitere Schadstoffverlagerung in das Karstgrundwasserstockwerk (3. GWL) minimiert werden. Lediglich nicht erreichbare Restbelastungen müssen leider hingenommen werden.

Aus einer massiven Altlast entstehen so wertvolle zentrumsnahe Gewerbeflächen für kleine und mittelständische Betriebe.

Rahmenplan und Sanierungszonen

Sanierungszonen

Die Altlastensanierung wurde je nach Ausprägung der Kontamination in drei unterschiedliche Schadensbereiche zoniert, welche zum einen konventionell mittels Aushub (Zone C) und
zum anderen mit Hilfe von Großlochbohrungen (Zone A / B) bearbeitet werden.

Insgesamt werden so ca. 51.000 m³ bzw. 92.000 t kontaminiertes Bodenmaterial abgetragen und entsorgt.

Ausblick

Das künftige Gewerbegebiet »Nördlich der Blaubeurer Straße« ist als sog. Ersatz- und Ergänzungsgebiet Teil des Sanierungsgebiets »Dichterviertel«. Neben dem vorrangigen Ziel, die gewaltigen Altlasten dort in den Griff zu bekommen, soll das gesamte Areal generell liegenschaftlich neugeordnet werden.

Der städtebauliche Rahmenplan von 2014 ist die Grundlage für die weitere Entwicklung. Durch die Schaffung attraktiver Standortbedingungen sowohl für Neuansiedlungen als auch für bereits ansässige Betriebe soll der Gewerbestandort »Blaubeurer Straße« gesichert und weiter ausgebaut werden.

Als Zielgruppe stehen bei Grundstücks-
größen ab 1.300 m² vorrangig kleinere Handwerksbetriebe und Dienstleister
im Vordergrund. Eine hohe Flexibilität hinsichtlich Teilbarkeit und Zusammen-
legung ermöglicht auf den einzelnen Parzellen variable und zeitgemäße Nutzungen.

Die Ansiedlung von Einzelhandelsbetrieben ist nicht vorgesehen; das gilt auch für Vergnügungsstätten und Rotlichtangebote.


Weitere Infos…

Sanierungsgebiet »Dichterviertel Teil II«
Erfahren Sie mehr über das Ersatz- und Ergänzungsgebiet „Nördlich der Blaubeurer Straße“«…
Weitere Infos…

 

Ausgezeichnet.
Mit dem eingereichten Projekt »Altlastensanierung Braun Areal« in Ulm belegt die Sanierungstreuhand Ulm (SAN) den 2. Platz des Brownfield24 Awards 2022 in der Kategorie »Beste gutachterliche Leistung (ökologische Nachnutzung)«